Leben / Musik

HHV.de Mag: Lebensüberschussauswertung

Hi.

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Pläne machen. Pläne machen und sie dann nicht einhalten. Zum Beispiel, als ich mit Sascha letztes Wochenende nach Köln fuhr, um Kunze und Aigner vom HHV.de Mag zu besuchen (»Jaaaaaaa!« – Kunze, als ich zur Begrüßung die Arme weit ausstreckte wie ein geschliffenes Messer; »Ich bin nervös, ey« – Aigner, als er kurz darauf zur Tür reinkam). Wir wollten MC Rene und Retrogott in so einer Bar sehen, rauchten stattdessen aber tausend Zigaretten und tranken Kölsch und redeten über Musikjournalismus und hörten Cloud Rap und machten Witze und rauchten dann noch mal tausend Zigaretten. Dann gingen wir ungeplant in einen Club, vor dem mich ein bekiffter Typ als Schwuchtel bezeichnete und dann ging, und in dem Club hatte jemand Geburtstag und er wirkte sehr nett, aber es war sonst niemand da, weshalb wir in den anderen Club gingen, um die Pender Street Steppers zu sehen, wie wir es geplant hatten und auch wenn das aufging, war es nicht so geil wie erhofft, sondern eher im Gegenteil, weshalb wir wieder rausgingen zu einer Bar und versuchten Pläne zu schmieden, die nie in die Tat umgesetzt wurden, weshalb beziehungsweise weil wir stattdessen Pommes essen gingen, was nur für einen von uns gut ausging. Immerhin haben wir Menschen dabei getroffen, Menschen die wir kannten und das zum Teil sogar persönlich. Dann nächster Morgen, wie üblich zu früh wach und dann irgendwann zum Supermarkt gelaufen statt zum Plattenladen wie geplant und dann den ganzen Tag vor der PlayStation abgehangen statt zum Plattenladen zu gehen, wie das geplant war und dann außerplanmäßig noch jemanden über Falafel treffen und irrwitziger Weise trafen sich unsere Außerpläne und wir aßen Falafel und gingen dann zurück und spielten zu fünft PlayStation und rauchten tausend Zigaretten und hörten ein brandneues, unangekündigtes (?) Rap-Album (»Eine Mischung aus nachdenklich und Schlägerei«, zitiere ich auf Facebook und bekomme 23 Likes, von denen nur vier in vollem Wissen um die Quelle abgegeben werden) und irgendwann stand dann fest, dass wir doch noch zu Jan Schulte gehen und eigentlich war der Plan nur kurz vorbeizuschauen, weil wir ja früh aufstehen mussten am nächsten Tag, weil sie unseren planmäßigen Bus natürlich gecancelt hatten, aber dann war es plötzlich fünf Uhr und wir mussten uns irgendwie zwingen zu gehen und dann war es ganz schnell wieder neun Uhr und wir hauten wieder ab ohne dass ich wie geplant ab 13.47 Uhr an Kunzes Haaren geschnüffelt hätte, immerhin aber schauten wir noch – denn das musste sein – kurz aus dem Bahnhof raus und den Dom hoch und waren wenig beeindruckt, dabei aber ein bisschen dumm: Wir mussten zum Bus rennen und dann war es der falsche und der richtige kam außerplanmäßig fünf Minuten später, während wir also um ein halbes Jahr alterten auf einer Strecke von höchstens 250 Metern. Dann machte ich den Laptop auf der Fahrt zurück auf irgendwann und wollte gar nicht so recht arbeiten, aber dann habe ich das doch gemacht und es machte Spaß als das Wi-Fi sich endlich bequemte und ich Videos von DrakeFuture IslandsPost MaloneAbra und Molly Nilsson guckte, weil das in meinem Leben auch Arbeit ist. Am nächsten Tag dann schickte Aigner ein zusammengeschnittenes Video aus Snapshots in iPhone-Ästhetik (dunkel, aber freundlich und soft) zu uns und im Hintergrund lief natürlich »1995«, denn auf den zumindest konnten wir drei uns in diesem Jahr einigen.

Kurzum: Pläne machen. Pläne machen und sie dann nicht einhalten. Das kann so schön sein.

Unschön ist es aber, Pläne zu machen, die von neuen Plänen durchkreuzt werden, aus denen kleine Zwischenpläne emporwuchern, die neue Pläne auf den Plan rufen und so weiter und so weiter und so weiter bis die Lider mit aller Macht zusammenbeißen und Sterne dahinter kollabieren.

»Ich kann Stille nicht ertragen. Ich höre immer Musik. Mit Ausnahme vielleicht eines bis höchstens drei Tagen im Jahr, während derer ich rein gar nichts ertragen kann, weil die Schattenseiten des Alltags in den Frontallappen gekrochen sind. Dann scheint selbst Stille das weniger schlimme Übel«, schreibe ich an einer Stelle der HHV.de Mag-Top 50-Songs des Jahres und meine damit so ziemlich die letzten Wochen.

Es war alles zu viel, zu viel Geburtstag, zu viel unerwartete Post, zu viele e-Mails, zu viele Anrufe, zu viele Facebook-Nachrichten, zu viele To-Dos auf zu vielen Listen, zu viel Kaffee und zu viel alles einfach. Jetzt tuckere ich allerdings Richtung Leerlauf, kann wieder atmen und Revue passieren lassen über das, was so passierte.

Da wären wir sogleiuch wieder beim HHV.de Mag, Kunze und Aigner, mit denen ich wieder im Ausklang gesprachballert habe wie der Wortderwisch (das mal aussprechen, mindestens drei Mal hintereinander), der ich bin (s.o., alles – und alles davor, jemals). Die New Record Labels für Dezember übrigens sind Archivio Diafònico, Danse Noire, Macadam Mambo und Shift LTD. Reviews, klar: Fossil Aerosol Mining Project, rRoxymore, Kangding Ray, The Island BandConsider This A Warning‘Ivan, Come On! Unlock The Box!’TCB, The Pains Of Being Pure At Heart, James Booth, Contours, Pan Daijing, d’Eon, Fhloston Paradigm, Subheim, Xosar, Mall Grab, Deantoni Parks. Dann außerdem noch gut ein Dutzend für Die 50 besten Alben des Jahres und bevor ihr aufstöhnt oder -stoßt: Ja, die vier, fünf Standardplatten mögen drin sein, aber im Grunde ist das eine rundere, weil kantigere Liste, als ich sie sonstwo gesehen habe. Die 50 besten Tracks des Jahres im Übrigen werden vollends absurd und mein Jahresrückblicksessays ebenfalls. C’est tout, glaube ich, jedenfalls in Sachen HHV.de Mag – anderswo tat sich auch was. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt… Ach, halt’s Maul, Kristoffer.

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