Musik

spex online: Vow, Body Betrayal & Our Voltage + Reviews

VOW von Jennifer Endom

VOW von Jennifer Endom

Es hatte schon sein Gutes, arbeitslos zu sein: Ich konnte, musste mich geradezu auf immer mehr und größere Schreibjobs schmeißen. Einer davon ist mir glaube ich sehr gut gelungen, was vor allem auch am Gegenstand lag: Our Voltage ist ein sehr interessantes neues Label, das mit VOW, Body Betrayal, Select Sex und einem Red Monkey-Reissue gleich ein zackiges Statement auf die Welt losgelassen hat. Mein Feature zu VOW und Body Betrayal in der spex steht nun online.

Des Weiteren hatte ich eigentlich für das FUZE alle vier Releases des Labels besprochen, jedoch wurden die Reviews aus Platzmangel nie gedruckt. Deshalb habe ich mich entschieden, sie unverändert online einzustellen. There you go:

Obwohl er die Idee für sein Label Our Voltage schon seit Ende 2012 mit sich herumträgt: Mit gleich vier Releases den Auftakt zu machen hatte Vojin Saša Vukadinović eigentlich nicht geplant. Trotzdem ein glücklicher Zufall: So präsentiert sich Our Voltage von Anfang mit breiter Soundpalette. Wer sein Label provokativ als Outlet für „Schwuchteln, Feminist_innen und andere wilde Typen“ beschreibt, steht schließlich sowohl inhaltlich als auch musikalisch für Diversität ein.

VOW - Cypress-The Light - cover

VOW

Cypress / The Light

Dass jemand, der mit Riot Grrrl und Queercore sozialisiert wurde, aber ein so wunderschönes Pop-Kleinod wie diese in Macha-Grün gehaltene 7” – der wie jedes Release auf Our Voltage auch ein Download-Code beiliegt – veröffentlicht, mag zuerst überraschen. Aber nur zuerst. Schon die Texte, die sich unter anderem auf Lyrikerinnen wie Mascha Kaléko als Inspiration berufen, formulieren implizite und elegante Kritik an gesellschaftlichen Normen. Eingepackt wird das in einen vielschichtigen Stilmix, der bei jedem neuen Hörgang mit Überraschungen und zurückhaltenden Hooks aufwartet. Eine nicht nur musikalisch unvergleichliche EP voller Schönheit(en) und kurioser Klänge.

cover

SELECT SEX

Select Sex

Die Debüt-7” des Quartetts Select Sex aus Los Angeles hingegen trägt das Herz eindeutig auf der Zunge und rotzt den Frust lieber heraus, anstatt ihn zu sublimieren. Die Band um Sänger Joshua Plague, der unter anderem bei Behead The Prophet die Stimmbänder schwingen lässt und überdies als veganer Koch durch die Welt reist, hat von Bands wie Born Against gelernt, dass sich Rüpelhaftigkeit manchmal auszahlt und würden wohl Justin Pearson darin zustimmen, dass auch hochgeschwinde, vertracktere Klänge immer noch knallen können. „We can drink all day, say and reign / Walk on wires, break chairs and plans“ – aber gerne doch!

BODY BETRAYAL - Soft Cage - cover

BODY BETRAYAL

Soft Cage

Auch der in Seattle ansässige Vierer Body Betrayal fackelt nicht lange, sondern fällt mit Tür und starken Statements in Haus: „I am a dream / That hasn’t been dreamt yet / Everyone’s got a stake in my identiy / But there are no words / To match my lived complexity“, heißt es in „My Gender Is Queer“. Die Kritik am heteronormativ-patriarchalischen Zwangskostüm wird in Powerviolence-beeinflußten Hardcore eingewickelt, der zwar schnell vorüberzieht und doch lange nachhallt. Nach einer Split-Kassette mit Disparate im Jahr 2012 ist die einseitig beispielte, auf der B-Seite mit einem schönen Etching versehene „Soft Cage“-12“ eine mehr als dringliche Erinnerung daran, diese Band im Auge zu behalten.

a2203517932_10

RED MONKEY

How We Learned To Live Like A Bomb

Neben den Youngstern ging es Vukadinović auch darum, die auf diverse verstreute Releases verteilte Diskografie der englischen Red Monkey der Punk-Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit viel Hingabe hat Vukadinović das Œuvre des 1996 im britischen Newcastle gegründeten Trios aufbereitet – ganz offensichtlich eine Herzensangelegenheit. Die 18 Songs, die nicht auf den drei Studioalben der 2005 aufgelösten Band zu finden waren, werden von extensiven Linernotes begleitet und bieten allen Zuspätgeborenen die Möglichkeit, eine von Labels wie Kill Rock Stars und dem legendären Radiomoderator John Peel bewunderte Band kennenzulernen, die nach dem Ende Riot Grrrls den politischen Ansatz von Queercore mit einer staubtrockenen Form von Post-Hardcore paarte.

Advertisements

2 thoughts on “spex online: Vow, Body Betrayal & Our Voltage + Reviews

  1. Pingback: 2014, Part II: Stats, Favs, Thoughts & Overall Conclusion | konkrit

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s