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konkrittles #7 – Q&A

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Ines von Morgen wird gestern war so nett, mich im Rahmen eines reichweitenbefördernden Blogspielchens namens Liebster Award zu verlinken. Ich danke und dachte, es könne nicht schaden, auf ihre Fragen zu antworten.

Was ist dein liebster Beitrag?

Aufgrund der eher pragmatischen Ausrichtung dieses Blogs ist das schwer zu beantworten. Rückblickend ist es wohl schön, dass ich vor etwas mehr als einem Jahr ein paar Vermutungen über Burials Zukunft geäußert habe, die sich mehr oder weniger als treffend herausgestellt haben. Zudem halte ich mein Interview mit Nervöus (die zwischenzeitlich sehr gute Freund_innen geworden sind) für absolut lesenswert und habe mit meinem Text über das Ende der de:bug wohl etwas auf den Punkt bringen können.

Und welcher deiner Beiträge wird immer wieder dank Google aufgerufen?

Häufiger werden die Interviews mit Eric Quach alias thisquietarmy und Terra Tenebrosa noch angeklickt. Zudem möchte ich Sibylle Lewitscharoff dafür danken, dass ihretwegen auch die Suchanfrage “wichsen” auf diesen Blog führt.

Hast du Ziele für deinen Blog?

Jein. Also: Ja, natürlich. Die sehen aber bestimmt anders aus als bei anderen Blogger_innen. konkrit hieß in seiner ersten Inkarnation good friends with bad habits, was einerseits auf einen Song von Owen anspielt, andererseits als (selbst-)ironische Spitze zu verstehen war: Hier geht es um die (möglichst gute) Präsentation meiner (überwiegend journalistischen) Arbeit. Reine Egozentrik also. Mit der Umbenennung und der Einführung von Kategorien wie z.B. konkrittles bin ich damit in die Offensive gegangen. Ich präsentiere nicht mehr nur allein meine Texte in gebündelter Form, sondern auch mich selbst. Allerdings bin ich hier jemand anderes als auf Facebook, Instagram, Twitter oder im persönlichen Gespräch und das ganz bewusst. Das ist vielleicht ein (nicht unbedingt: das) Ziel dieses Blogs: Eine Identität zu konstruieren. Putting the ‘me’ in ‘media’.

Wie viel Zeit investierst du in deinen Blog?

Mit Blick auf meine Einträge, die eigentlich nur anderswo publizierte Texte anteasern sollen, dürfte klar werden, dass ich nicht sonderlich viel Zeit mit der Pflege des Blogs verbringe. Wie ja auch aus meiner About-Section erkenntlich werden dürfte, habe ich bereits genug zu tun. Pro Eintrag sind es nicht mehr als 10 Minuten und nur in Sonderfällen mal mehr.

Ist die Blogosphäre für dich eine eigene Welt oder ist alles miteinander vernetzt?

Alles ist vernetzt, die Blogosphäre bildet aber schon einen Mikrokosmos im Makrokosmos. Interessiert mich, verfolge ich – ich partizipiere allerdings eher verhalten. Das hier ist die Ausnahme.

Was war das einschneidenste Ereignis in deinem Leben?

Die Frage erwischt mich auf zweierlei Arten kalt.

Erstens weil ich hier genau kontrolliere, was ich hier in welcher Form von mir preisgebe und mir die Frage abverlangt, mich außerhalb (oder innerhalb?) der selbst eingefriedeten Sicherheitszone zu äußern. Die Direktheit der Frage steht der Vagheit, mit der ich mich hier bewusst (und sogar ein wenig theoretisch fundiert) äußere, entgegen.

Zweitens habe ich ein Problem damit, etwas als ‘einschneidend’ zu kategorisieren. Klar: Anfänge, Enden und Momente der (Selbst-)Erkenntnis gab es in meinem Leben zuhauf und manche von ihnen kamen sehr unvermittelt. Aber nicht alle, wahrscheinlich keine davon waren in dem Sinne einschneidend, als dass sie nicht Teil eines sich über einen gewissen Zeitraum erstreckenden Prozesses waren.

Da es hier vor allem um Literatur und Musik gibt, seien zwei game changing moments genannt:

Mit ungefähr 13 Jahren zog ich, die skeptischen Worte meiner Mutter – “Das ist so düsterer Kram” – ignorierend, Franz Kafkas Die Verwandlung und andere Geschichten aus dem elterlichen Bücherregal. Gerade In der Strafkolonie war wohl in dem Sinne einschneidend, als dass es mir wie dem armen Verurteilten ging: Da schrieb sich etwas brutal in mich ein und ich wusste nicht was oder warum. Etwas nicht deuten oder gar verstehen zu können und es unbedingt zu wollen, das wurde für mich zur Triebfeder in der Beschäftigung mit Kunst überhaupt. Mittlerweile habe ich das Nichtverstehen nicht nur akzeptiert, ich genieße es auch. Dauerte aber und brauchte ein halbes Studium.

Dann war da der Moment, in dem ich zum ersten mal die F♯A♯∞ von Godspeed You! Black Emperor gehört habe. Ich muss ungefähr 16 gewesen sein, hörte zu der Zeit bereits viel und intensiv Musik, wurde aber mit etwas konfrontiert, das sich nicht an die gängigen Konventionen hielt, die ich gewohnt war. Die Strukturen waren anders, die Instrumentierung war anders, die Atmosphäre sowieso. Das hat meine Ohren und meinen Geist wohl entschieden geöffnet. Ich merkte zum ersten Mal bewusst, dass es da draußen eine Vielzahl von musikalischen Konzepten gibt und damit auch verschiedene Arten der Rezeption.

Das sind zwei Momente von Kunsterfahrung, die – um mal das Pathos aus dem Keller zu holen – definitiv mein Leben verändert haben.

Was ist deine Lieblingsband?

Ha. Tja. Hm. Hach. Hm. Ja. Tja. Auch das kann ich nicht kurz und/oder knackig beantworten.

Die Band, die mich am längsten begleitet, dürfte wohl Joy Division sein. Bekam mit 13, 14 Jahren mal Love Will Tear Us Apart zugeschickt und fand es ziemlich scheiße. Seitdem ist viel passiert.

Ein Album, das mich wohl noch lange begleiten wird und das ich gut alle zwei Monate wieder raushole, ist die selbstbetitelte American Football-LP. Als vor Kurzem der Pre-Order für das Re-Issue inklusive bisher unveröffentlichter Bonustracks gelauncht wurde, saß ich mit schwitzigen Händen vorm PC.

Einschneidend (!) war es auch, Hot Water Music zu entdecken. Nachdem ich die Band etwas kennengelernt hatte, bestellte ich mir die Moments Pass / Another Way-7″, eine meiner ersten Platten überhaupt. Als die Nadel dann auf das olivgrüne Vinyl traf, passierte was mit mir. Das hat mir einerseits das kathartische Potenzial von Punk eröffnet und mich andererseits wohl endgültig an das Medium Vinyl gebunden.

Ansonsten würde ich auf die Frage, welcher Song für mich der beste aller Zeiten sei, wohl God Only Knows von den Beach Boys nennen oder aber The Cause Of Labour Is The Hope Of The World von Jóhann Jóhannsson. Während ich beim ersten die innere musikalische Geschlossenheit bewundere, ist es beim zweiten gerade die (vermeintliche) Ziellosigkeit und Offenheit, die mich mitnimmt. Was beiden aber gemein ist: Sie formulieren ein Pathos, das allgemein gültig scheint, aber mich persönlich sehr mitnimmt.

Was ist deine Lieblingsserie?

Auch das: Schwierig. Interessant ist vielleicht, dass ich meine Identifikationsfiguren im TV vor allem in Frauenfiguren gefunden habe: Sailor Moon, Buffy, Gilmore Girls und Daria waren sehr prägend für meine Fantasie, meinen Humor, meine Selbstwahrnehmung und eventuell sogar meine Sozialisation. 90% meines Freundeskreises besteht aus Frauen.

Ansonsten? Arrested Development ist die witzigste Serie aller Zeiten. Und obwohl ich nie über die dritte Staffel hinausgekommen bin: Six Feet Under is forever.

Wovon lebst du?

Immer wieder witzig, wenn Menschen annehmen, das Schreiben würde mir den Lebensunterhalt finanzieren. Tatsächlich bezahlt mir das höchstens den Aufstrich, den ich mir auf Brötchen schmiere, die ich durch meine Arbeit in der Medienbeobachtung verdiene.

Was wäre deine Henkersmahlzeit?

Japanisches Curry in der fleischlosen Variante. Als Dessert das vegane Kokoseis (inklusive der geil künstlich schmeckenden Erdbeer[?]sauce) von Miss Saigon. Das mit Strychnin versetzt, schließlich würde ich den Zeitpunkt meines Todes gerne selbst bestimmen.

Hast du Tattoos – wenn ja, welche, wenn nein, wieso nicht?

Nein. Weil bisher die Überzeugung fehlte, die mich dafür hätte Geld sparen lassen. Wenn, dann wären es aber vielleicht – und hier schlage ich mal einen Bogen – die ersten Zeilen von Hot Water Musics Moments Pass: “Let’s dance while we still can / these days are numbered short”. Auf die Füße. Natürlich. Autsch.

 

Nun weiß ich ehrlich gesagt nicht, wen ich hier nominieren oder taggen sollte, aber ihr könnt euch ja in den Kommentaren oder auf euren eigenen Blogs der Beantwortung dieser elf Fragen widmen. Lasst mich wissen, wann und wo.

1. Gibt es eine Subkultur bzw. Szene, der du dich zugehörig findest? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

2. Ist es dir wichtig, dass dein eigenes Schreiben für andere verständlich ist?

3. Welche Widersprüche lebst du?

4. Triffst du Unterschiede zwischen realer, d.h. physischer und virtueller, d.h. digitaler Welt? Wenn ja, wie sehen diese aus? Wenn nein, warum nicht?

5. Wann warst du das letzte Mal egozentrisch?

6. Welches Format ziehst du zum Musikkonsum vor und warum?

7. Gibt es Momente, in denen dir dein eigener Geschmack peinlich ist und wenn ja, in welchen?

8. Wie wichtig ist dir dein eigener sowie der Status deines Gegenübers?

9. Wie definierst du den Begriff “Droge” und welche Drogen konsumierst du?

10. Was hast du zuletzt gekocht und wo und was zuletzt auswärts gegessen?

11. Nenne eine Band, eine_n Autor_in o.ä., mit dem_der du dich nie anfreunden konntest, obwohl du es versucht hast.

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11 thoughts on “konkrittles #7 – Q&A

  1. beruhigend & beunruhigend zugleich, dass einer wie du auch einen brotjob haben muss. aber so muss das wohl sein, so bleibt der musikjournalismus wenigstens reine spaßsache.

  2. Pingback: 2014, Part I: Stats, Favs, Thoughts | konkrit

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