Gesellschaft / Literatur

Wichsen und Weltliteratur. Sammlung für Sibylle

lewitscharoff_dresdner_rede_dpa

Da haben wir ihn, den Beweis für das, was wir immer schon dachten: Zuviele Literaturpreise machen wirr im Kopf. Insbesondere wohl der Georg-Büchner-Preis. Irgendwie logisch, dass nach dessen Erhalt so manche_r in bester Lenz-Manier auf dem Kopf gehen möchte.

Ganz im Geiste des mittlerweile im Feuilleton vorherrschenden Kulturkatholizismus’ lieferte Sibylle Lewitscharoff in Dresden eine hinreissend hirnrissige Rede ab. Nahezu herrenrassisches Gerede, das sich in die Herrenrhetorik anderer Beiträge der letzten Zeit leider nahtlos einzufügen scheint. Dirk Knipphals zeigte sich in der taz entsetzt, der Querschläger-Moralist Gregor Diez zog für SpOn sogleich in gewohnter Manier vom Leder. Anderswo sehen die Reaktionen ähnlich aus. Alle geifern sie.

Worum es geht? Und warum es die Gemüter so erregt?

Weil (und vor allem: wie) Lewitscharoff gegen künstliche Befruchtung wettert. Zwar ist sie smart genug, die Nazi- beziehungsweise Eugenikkeule gleich selbst zu schwingen, lässt aber kein gutes Haar an diesen “Halbwesen”, die aus der Retorte kommen. Homophob ist das übrigens, so wie Matussek sich das nicht schöner hätte ausmalen können. Onanie gleich zu verbieten, so Lewitscharoff, das schiene ihr doch “weise”. Das war ja in der Bibel schon nicht anders, Gott war ebenfalls ziemlich angefressen, weil Onan seine Manneskraft auf den Acker fallen ließ. Traurig, aber wahr: Wir schreiben das Jahr 2014 und reden mit der Rhetorik der 1940er über die Tabus der 1950er Jahre, die wir einem Jahrhunderte alten Text zu verdanken haben.

Was bleibt uns nun zu tun? Richtig, wir müssen ihr zeigen, dass sich Bücher auch anders verkaufen lassen als mit wirrem Gelaber und in ihrem verstaubten Hirn die essentielle Kulturtechnik der Masturbation rehabilitieren, indem wir deren literaturhistorische Bedeutung empirisch festhalten. Bei der nächsten Preisverleihung (sollte noch ein Literaturpreis ausstehen) könnten wir ihr dann ein schönes Kompendium überreichen.

Auf meiner privaten Facebook-Seite sammele ich deswegen mithilfe der getreuen Schwarmintelligenz die besten Masturbationsszenen der Weltliteratur. In weit über 100 Kommentaren konnten wir bereits einige Perlen zusammentragen. Wenn ihr bei dem (selbstverständlich rein intellektuellen) circle jerk dabei sein wollt – in die Hände gespuckt und los geht’s!

Nachtrag: Wie Lewitscharoff in einem Interview mit der FAZ beweist, hat sie den VICE-Shitstorm-Guide von Patrick Cornelsen und Hektor Brehl genauestens gelesen. Chapeau!

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2 thoughts on “Wichsen und Weltliteratur. Sammlung für Sibylle

  1. Pingback: Fabian Hischmann – Am Ende schmeißen wir mit Gold bei Fixpoetry | konkrit

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