Leben / Musik

Thisquietarmy Recods – Aidan Baker/Leah Buckareff, Lovesliescrushing, Northumbria

Rezension vom 06.09.2012

Eric Quach hat viel zu tun. Erst letztes Jahr veröffentlichte er als thisquietarmy auf Denovali zwei Platten, vor Kurzem ein Tape auf Land Of Decay, dieses Jahr wird noch ein weiteres Album folgen. Exorcisms wird die Live-Aufnahme heißen, die Quach wird es auf Europa-Tour mit seinen Labelmates AUN ausgiebig promoten. Sonst noch was? Achja: Sein eigenes Label betreibt der nimmermüde Kanadier ebenfalls. KRISTOFFER CORNILS hat sich mit Quach unterhalten und drei der neueren Veröffentlichungen von TQA Records gehört

Unschwer zu erraten, was sich hinter der Abkürzung TQA versteckt. 2005 war es, als Quach die erste Platte seines damals neuen Projekts thisquietarmy auf eigene Faust veröffentlichte und dem somit neugegründeten Imprint als Ausweitung seiner kreativen Arbeit denselben Namen verpasste. Schnell fanden sich andere Acts, spannende Releases und anfangs liefen die Dinge – gemessen an den Maßstäben eines Kleinstlabels – wirklich gut. Anstatt aber den Versuch zu unternehmen, mit TQA zu expandieren und irgendwann professionell gepresste CDs anzubieten, legte Quach das Label für eine Weile auf Eis und konzentrierte sich auf sein musikalisches Schaffen. Im Jahr 2009 dann entwickelte er für eine Veröffentlichung das Konzept einer Doppel-3“ CD, das von Fotos und anderen aufwändig hergestellten Souvenirs begleitet wurde. Die Aural Diptych-Serie war geboren, eine Reihe von Splits im Mini-CD-Format. Zwei Acts pro Veröffentlichung also, deren Musik von zwei verschiedenen Illustratoren gestalterisch komplimentiert wird. Nebenbei veröffentlicht TQA auch zunehmend reguläre Studioalben wie den großartigen Arrhytmia OST des polnischen Künstlers Adrian Aniol. Vier neue Releases liefertQuach nun noch ab, bevor er sich für seine eigene Tour nach Europa absetzt und unter anderem das Swingfest beehrt. Eines wird im Gespräch mit ihm schnell klar: TQA Records ist ein Projekt, das weit über Geschäftliches hinaus geht. Wer dort veröffentlicht, hat meistens nicht nur ähnliche künstlerische Vorstellungen wie Quach, sondern ist mit diesem auch gut befreundet.

Bedrückende Stimmung

Nadja sind im Drone/Noise-Zirkus wahrlich keine Unbekannten. Das Ehepaar Aidan Baker und Leah Buckareff ist geradezu hyperaktiv und kaum ein Monat vergeht, ohne dass Meldung von einem neuen Release kommt. Als außergewöhnlich kollaborationsfreudig sind die beiden ebenfalls bekannt, haben letztes Jahr unter anderem mit Galena und Kodiak zusammengearbeitet.Quachs Verhältnis mit den beiden ist kein rein geschäftliches: »Aidan und ich kennen uns schon seit 2004, als es weder Nadja noch thisquietarmy gab. Wir spielten schon damals gemeinsame Shows mit unseren damaligen Bands und veröffentlichten auch gemeinsame Alben. Als ich dann mit der Aural Diptych-Serie begann, schlug ich vor, eine Aidan/Leah-Split zu veröffentlichen.«

Die für Nadjas Sound so maßgeblichen Saiteninstrumente lassen die beiden für die TracksHeavy Breathing (Baker) und Breathing Heavy (Buckareff) ausnahmsweise beiseite. Bakerkreiert mit perkussiver Unterstützung seinen Beitrag zu dieser Split-Veröffentlichung. Meditative Beckenimprovisationen wurden verzerrt, in die Länge gezogen, mit viel Echo versehen und übereinander geschichtet. Herausgekommen ist ein dichtes, unruhiges Drone-Stück, das eine sterile, unheimliche Atmosphäre schafft.

 

 

Buckareff versucht sich an organischeren Sounds, auch wenn sie ihren Track ebenfalls nicht unbearbeitet gelassen hat und in der Post-Produktion ihre freiförmigen Akkordeonversuche noch einmal kreuz und quer übereinander laufen lässt. Das zugrunde liegende Konzept dieser Split ist, dass beide Aufnahmen sowohl in ent- wie auch gekoppelter Form funktionieren sollen. Vorbild dürfte das Album Dronevil der japanischen Boris gewesen sein. Auch dies kam mit der expliziten Anweisung, die zwei LPs gleichzeitig laufen zu lassen. Die Investition in einen zweiten CD-Player wäre für die Heavy Breathing Heavy 2×3“ jedoch nicht erforderlich: Auf der Bandcamp-Seite von TQA   ist auch ein Mix der beiden Tracks erhältlich, der die bedrückende Stimmung beider Stücke vereint. Ein interessantes Experiment, das in liebevoller Aufmachung daherkommt, musikalisch aber vor allem durch Aidan Bakers Beitrag überzeugen kann.

Leicht dahinfließende Soundcollage

Wie jeder Künstler ist Eric Quach zugleich auch Fan und freute sich dementsprechend, das Album einer Band zu veröffentlichen, die ihn persönlich sehr geprägt hat. »lovesliescrushing hatten einen bedeutenden Einfluss auf mein Gitarrenspiel. Das ging soweit, dass ich sogar meine anderen Projekte Destroyalldreamers und auchthisquietarmy ohne Leerzeichen schrieb und meine persönliche Website nach einem ihrer Tracks benannte«, erinnert sich Quach. Eine Bewunderung, die sogar in einer Kollaboration zwischen Quach und lovesliescrushing-MitgliedScott Cortez resultierte. Mit Glinter nun ein Album des US-amerikanischen Duos, zu dem nochMelissa Arpin-Duimstra gehört, herauszubringen, stellt für den Kanadier eine große Ehre da. Genauer gesagt kann er es eigentlich kaum fassen. »Ich schätze aber mal, dass ich sie vor allem durch gegenseitigen Respekt und Bewunderung sowie meine harte Arbeit mit dem Label für mich gewinnen konnte.«

 

 

Die drei Tracks von Glinter verfolgen auf einer Gesamtlänge von 60 Minuten das Prinzip, nach dem die Band seit den 1990er Jahren verfährt: Die warmen, shoegazigen Drones Cortez‘ und die verfremdeten, sphärischen Vocals von Arpin-Duimstra verwickeln sich ineinander und oszillieren auf und ab. Eine verträumte, leicht dahinfließende Soundcollage mit einer beeindruckenden Klangtiefe.

Ambient Metal

Northumbria knüpfen mit ihrem selbstbetitelten Debüt am Sound von lovesliescrushing an. Das Duo spinnt mit mächtigen Gitarren- und Bassriffs eine ähnlich entrückte und kosmische Parallelwelt, geht jedoch wesentlich aggressiver vor, lässt verzerrte Drones und mächtige Bässe gegeneinander krachen. Die Zuschreibung »Ambient Metal« scheint da nur folgerichtig. Das mit dem Debüt auf TQA hätte beinahe nicht geklappt: »Als Dorian mir die Northumbria-Demos schickte, war ich ziemlich beschäftigt und wollte eigentlich keine zusätzliche Arbeit von irgendjemand anderem annehmen.« Gut, dass Jim Field und Dorian Williamson überzeugende Argumente in Form von fünf satt produzierten Tracks hatten. »Sobald ich die Aufnahmen hörte, konnte ich nicht nein sagen – die Platte musste auf TQA Records erscheinen«, sagt Quach mit Nachdruck. Denn ohne es darauf angelegt zu haben, kamen Northumbria seinen Vorstellungen sehr entgegen. »Es ging genau in die Richtung, die auch das Label verfolgen soll«, so Quach begeistert. Wenn die fünf Tracks von Northumbria einen Hinweis auf die Zukunft von Quachs Imprint geben – ja, dann kann diese Zukunft wirklich spannend werden. Ein beeindruckendes, monolithisches Debüt, gleichermaßen markerschütternd laut und emotional aufgeladen. Toll!

 

 

Apropos Zukunft: Auch die Fortsetzung der Aural Diptych-Serie steht bereits in den Startlöchern: Mit Talvihorros und Ekca Liena hat sich Quach zwei spannende britische Newcomer ins Boot geholt, die mit ihrem Mix aus Field Recordings und kosmischen, bassgewaltigen Drones sich bestens in den TQA-Katalog einfügen.

 

Quelle: Thisquietarmy Records

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s