Musik

KTL – V

Rezension vom 24.05.2012 im TITEL-Kulturmagazin:

Nervöses Fluidum

Zwei Jahre haben Peter Rehberg alias Pita und Stephen O’Malley, auch als SOMA bekannt, nichts von sich hören lassen. Also, zumindest nichts von ihrem ProjektKindertotenlieder, kurz: KTL. Mit V sind sie zurück und öffnen ihren Sound in Richtung neuer Musik. Von KRISTOFFER CORNILS

 

 

Untätig waren beide Musiker natürlich nicht: Rehberg hat schließlich genug mit seinem einflussreichen Label Editions Mego zu schaffen, zu dem auch O’Malley seinen Beitrag leistet , wenn er nicht gerade mit Sunn O))) rund um den Globus Fabrikhallen zum Erbeben bringt. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von IV folgt nun der fünfte Teil ihres gemeinsamen musikalischen Projekts KTL und schon auf den ersten Blick wird klar, dass sich bei dem umtriebigen Duo etwas geändert hat. Das von Mark Fell designte Artwork greift das Logo der vorhergegangenen Veröffentlichungen auf, überführt es aber in ein kunterbuntes Farbenspektrum. Und auf der Rückseite schauen Rehberg und O’Malley doch ziemlich adrett und zahm drein, ganz ohne Kutte oder Stirnrunzeln. Das „Silence!“ das auf dem Portrait hinter ihnen an der Wand zu lesen, das haben sie natürlich trotzdem nicht beim Wort genommen.

 

Beinahe warm

Obwohl eines beim Hören der ersten drei Stücke bereits deutlich wird: Von den düsteren Sounds haben sich KTL weitestgehend verabschiedet. Die Doom-Atmosphäre ist einer organischen gewichen. Beinahe warm klingen Phill 1Study A und Tony, insbesondere, vergleicht man sie mit dem kongenialen ersten Album des Duos, auf dem sie mit einer Art abstrahierten Version von Black Metal brillierten. Die Apokalypse ist einem nervösen Fluidum gewichen, die ersten drei Tracks von V – die es immer noch auf stattliche 35 Minuten bringen – wirken angespannt. Sie sind Vorspiel für den kongenialen Höhepunkt Phill 2, ein von Jóhan Jóhannsson dirigiertes orchestrales Meisterwerk. Mit diesem wagen sich Rehberg und O’Malley in ein für KTL bisher neues Feld vor, versuchen sich an neuer Musik. Die traditionelle Instrumentierung ergänzen sie mit mächtigen Drones und verhelfen ihnen damit zu einer beeindruckenden wie beklemmenden Wirkung. Genial!

Nach diesem homogenen Bogen, den V bisher geschlagen hat, sticht Last Spring: A Prequeldeutlich hervor. Das Stück setzt eine von der Choreographin Gisèle Vienne in New York laufende Installation um – die Bauchrednerpuppe, die sich auf Französisch einen schizophrenen Dialog mit einer Handpuppe liefert, wird von Jonathan Capdevielle verkörpert. Selbst, wenn das musikalisch eher minimal ausgearbeitete letzte Stück etwas fehl am Platz wirkt und vielleicht besser als separate Veröffentlichung hätte dienen können: Es beschließt das bisher stärkste Album KTLs seit ihrem Erstlingswerk aus dem Jahr 2006.

Quelle: Nervöses Fluidum

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