Musik

Wit’s End – s/t 7″

Nostalgie heißt ja für gewöhnlich, wenn man sich mit einer gehörigen Portion Bittersüße an Momente erinnert, an denen man eigentlich nie wirklich teilgehabt hat. In meinem Fall sind das die 90er Jahre, genauer: Die Hardcore/Emo-Szene dieser Zeit. Klar, das vorletzte Jahrzehnt hat mit den 80ern einerseits gemein, dass es keine gute Zeit in Sachen Mode war, aber musikalisch tat sich vor allem in der Subkultur doch einiges. Ich erinner mich bezüglich meiner eigenen Hörgewohnheiten nur an den Sailor Moon Titelsong und Haddaways What Is Love?, habe allerdings immer noch ein wahnsinniges Faible für den Emo(core) der Zeit.

Wer wie ich bei eBay verzweifelt der Hour of the Star-7″ nachjagt oder nachts über Indian Summer-Tattoos nachdenkt und also voll auf der 90er-Nostalgie fährt, für den veröffentlicht Adagio830 jetzt ein schönes Placebo bis vollwertiges Substitut: Wit’s End aus Norwegen teilen sich ein Mitglied mit Catena Collapse, die das Berliner Label schon mit der Rai Rai Rai / Outback Songs LP und der mehr als essentiellen Split mit La Quiete vertreten hat (nicht unterschlagen werden sollte die fantastische Kollaboration mit Sinaloa auf Narshardaa) und die mit ihrer selbstbetitelten Debüt-7″ in ungefähr dieselbe Kerbe schlagen. In vier Songs auf dezentem Hardcore-Punk-Skelett lassen die vier Skandinavier bis ins siebgedruckte Artwork den angeschrägten Emo der 90er aufleben. Von der kantigen Produktion, die irgendwie nach 4-Track und jeder Menge Schweiß klingt über den doppelten Gesang, der mal unisono, mal gegeneinander versetzt die Saitenarbeit abrundet bis hin zum simplen, straighten Drumming versinken Wit’s End tief im Sound der 90er Jahre. Das mit einem leicht desolaten bis melancholischen Grundton, der trotzdem mit einer gewissen Rotzigkeit rüberkommt.

Das soll nicht heißen, dass Wit’s End tatsächlich angestaubt klängen. Die Band betreibt keinen Kitsch, sondern widmet sich mit lediglich etwas Nostalgie einer Stilrichtung, deren Konventionen sie aber mit Sicherheit beherrschen. Das hat weniger mit toten Pferden zu tun als damit, sich einem Genre anzunehmen, das heutzutage nicht mehr allzu viel bespielt wird. Und eins ist, bei allen Blicken zurück, sowieso immer zeitlos: Die absolute Aufrichtigkeit und der Spaß an der Sache, mit der Wit’s End vier gelungene Emocore-Songs abliefern. Definitiv ein guter Soundtrack, um beim Hören etwas nostalgisch zu werden oder aber doch noch den Blick in die Zukunft zu werfen: Zwei Split-7″s sind noch für das Jahr 2011 angekündigt.

Die 7″ ist natürlich bei Bis aufs Messer käuflich zu erwerben, an dieser Stelle Dank an Robert. Reinhören und Lyrics lesen kann man auf der Bandcamp-Seite von Wit’s End, ebenfalls in die Tracks der ersten angekündigten Split-7″ mit Tjuvjakt.

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