Leben / Musik

Armutskäufe und Affektreviews, Teil II: VoPo Records

Eigentlich hatte ich mir von der bezaubernden Maike 5€ geliehen, um mir Filter für meine als Student ja obligatorischen Selbstgedrehten mit Öko-Tabak zu kaufen. Andererseits wollte ich auch noch einmal den Plattenladen nicht unweit von ihrer neuen Wohnung in der Danziger Straße anschauen. VoPo Records sah von außen betrachtet nicht wahnsinnig verlockend aus und verströmte eher diesen angepunkten Arriviertheitscharme, der jedem Besucher in dem Postleitzahlenbereich sowieso andauernd in der Nase hängt, überraschte mich aber immerhin mit der einen oder anderen Platte. Die Repress von The Shape Of Punk To Come ließ ich allerdings ebenso links liegen wie diverse Crust-Schmankerl oder Napalm Death-Platten, für die ich mich in einem Anflug von Nostalgie interessierte, bis mir wieder einfiel, dass Seth Putnam höchstens in ein, zwei Songs zu hören gewesen wäre. Zwischen dem ziemlich bunten Angebot, das sich aus der aktuellen Intro-Top-Ten ebenso wie aus einer Unmenge an Cocksparrer-Merch, der nicht unbedingt verschämt platzierten neuen Burzum-Platte und überteuerten Represses von allen größeren 80er Pop-Bands speiste, fand ich leider keine Grabbelkiste. Anstatt aufzugeben schmiss ich mich auf die 7“-Kiste am Counter, die ebenfalls eine ungute Mischung aus abgegrabbelten Sleeves und zu hohen Preisen bot. Eingedenk meines Vorhabens, nicht mehr als 5€ zu bezahlen und eine mir möglichst unbekannte Platten mitzunehmen, griff ich zu der quasi erstbesten Dirty Projectors-7“ für 4,99€. Immerhin hatte mein treuer last.fm-Account mich schon auf die Band aufmerksam gemacht und weil mich die gute alte google-Blogsearch daraufhin im Stich ließ (oder: Die RIAA mir einen Strich durch die Rechnung machte), ignorierte ich also das mehr oder minder ziemlich bekloppte Cover und griff zu. Den überschüssigen Cent spendete ich oder jedenfalls rede ich mir das ein – die Mittvierzigerin hinter der Theke dachte wohl nicht wirklich daran, mir das Rückgeld auszuhändigen. Sitten sind das.

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Dirty Projectors: Still Is The Move

Zuhause angekommen schloss ich zuerst meinen Plattenspieler an das alte und etwas grummelige Notebook der oben genannten jungen Dame an und stellte mich auf eine mäßige Platte ein – erst in der Tram wurde mir klar, dass die 7“ auf der Flipside nur den Titelsong als Lucky Dragons-Remix aufführte. Keine Ahnung, wer die Lucky Dragons sind. Aber beginnen wir mit den Dirty Projectors. Ich kann nicht mehr nachvollziehen, warum mir last.fm diese Band empfohlen hat, aber der rhythmusgetriebene 80es-Sound mit so einer Art gehäckselten Farsifa-Melodie, die das karge Background für den polyphonen Frauengesang im höheren Frequenzbereich lassen mich etwas ahnen. Mit kurzem Break in der Mitte und Bridge zum Ende, die mit Streichereinsatz und Wiederaufnahme der Strophen den Song bis schunkeligen Ausfaden führt, kommt Stillness Is The Move alles andere als innovativ herüber. Catchiness gehen den fünf Minuten Musik Weirdo-Indie-Pop auch ziemlich ab. Die B-Seite verhält sich zum Original ungefähr so wie das Artwork der jeweiligen Seite. Die Front langweilt etwas zu konventionell trotz Gewolltheit und das Back kommt endgültig im Trash an. Ungefähr genau das denke ich auch über die erste Minute des Remixes, bis die Versatzstückmontage seiner Quietschigkeit zum Trotz seine Eigendynamik bekommt. Sicherlich kein außergewöhnliches Stück Remixkultur, lohnt sich aber doch etwas mehr als die glatte A-Seite.

2/5

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