Musik

Motorpsycho – Roadwork Vol. 4: Intrepid Skronk

Rezension vom 02.05. im TITEL-Kulturmagazin:

Gelungenes Beinahe-Konzerterlebnis der sympathischen Stadionrocker

Motorpsycho existieren bereits seit über zwanzig Jahren und waren in dieser Zeit ordentlich zuwege. Obwohl sie in den letzten Jahren Studioalben en masse unters Volk gebracht haben, veröffentlichen die nimmermüden Norweger jetzt den vierten Teil ihrer Roadwork-Serie, das Live-Album Intrepid Skronk. Ein Beinahekonzertbericht von KRISTOFFER CORNILS.

Wenn es eine Band gibt, die sich ein Burnout-Syndrom redlich verdient hätte, dann wären es wohl Motorpsycho. Die Diskografie der Trondheimer wächst fast jährlich an. Vor ein paar Jahren stieg Schlagzeuger Gebhardt aus und doch betourte man nebenbei noch fleißig den Globus. Was die meisten blutjungen Bands wohl an den Rand des Wahnsinns bringen würde, stecken die drei Norweger – seit 2007 ist die Stelle hinter den Drums von Kennet Kapstad besetzt – anscheinend ziemlich locker weg. Dass sie live eine Menge Durchhaltevermögen und Ausdauer haben, beweisen sie mit Roadwork Vol. 4: Intrepid Skronk von der ersten Minute an. Oder besser: Von den ersten zwanzig Minuten an, denn nach einem kurzen »Good evening« steigt die Band in eine Version von The Bomb-Proof Roll & Beyond ein, die viermal so lang ist wie das Original. Der Groove sitzt wie angegossen, die Saiteninstrumente improvisieren sich von einer perfekt gesetzten Hookline zur nächsten, das alles natürlich bei grandiosem Sound.

Jede Nuance bleibt wahrnehmbar und trotzdem entfalten die zwar spärlich gesäten, aber trotzdem immer nach vorne gehenden Refrains ihre volle Wirkung. Eigentlich klingt das kaum noch nach Live-Aufnahme, eher wie frisch aus dem Studio. Das Publikum jedenfalls ist selten zu hören, und sowieso dürfte es bei jedem Song wieder ein anderes sein, denn die Aufnahmen wurden aus einer Menge von verschiedenen Konzertmitschnitten ausgewählt. Umso überraschender dann, dass Roadwork Vol. 4: Intrepid Skronk trotzdem funktioniert wie ein fast anderthalbstündiger Gig, selbst aus der Konserve heraus noch die voll psychedelische Wirkung eines Motorpsycho-Erlebnisses ermöglicht. Wer die Band noch nie live gesehen hat, der bekommt zumindest das beste Beinahekonzerterlebnis geboten, das er sich nur wünschen kann. Der bleibende Eindruck nach Durchlauf der Platte jedenfalls ist derselbe wie nach einem Konzert: Einmal die Qualitäten einer der sympathischsten und integersten Stadionrockbands bewiesen bekommen zu haben. Und wer auf Repeat drückt, der kann sich die Motorpsychos immer und immer wieder ins Wohnzimmer holen.

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