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konkrittles #8 – wir sagen: ja / kein nein gegen die arbeit

konkrittles

Text, gut drei Jahre alt, fast auf den Tag. Geschrieben vor dem Poets’ Corner 2011 in, warte, wo, Biesdorf? You’re kidding me. No, I’m not.

Nicht gut, klar. Aber wichtig, weil interessant: »es gibt kein nein gegen die arbeit« in einem Text, der eigentlich nur Arbeit war. 150€ gab das, für diese Lesung vor zwölf Leuten, von denen acht ebenfalls irgendwie auftraten. Geschrieben, um was zu haben. Und dann das, dieses Aufbegehren. Und der Widerspruch, der schon vorher, zuvorkommt: »wir sagen: ja. und erkennen das.« Resignation? Oder eben: Erkenntnis?

Die Frage sei doch erlaubt, was nicht Arbeit ist. Letztens arbeitslos (so im Allgemeinen, sozial schlagkräftigen Sinne) geworden, nicht arbeitend. Ging so: Reingerufen worden, Abteilungsleiter: »Tut mir sehr leid, aber… Vertrag nicht verlängern… mir auch sehr unangenehm… kam selbst für uns überraschend…« Und ich nur so: »Danke, ja. Ja, danke.« Da war das, dieses Ja. Yes I said yes I will Yes. (Irgendwo anders über dieses Yes gelesen, irgendwo anders über dieses Yes geschrieben (ohne es zu erwähnen). Auch das: Arbeit. Ja zur Arbeit. Und die Erkenntnis darüber.) Dann nach dem Arbeitslosgewordensein erst recht: Gearbeitet. Geschrieben, heißt das, vor allem. Und davor gehört und gelesen und geredet und gedacht also: Ja gesagt, zum besseren Verständnis oder aber zugunsten der Erkenntnis.

Vor allem über Kapitalismus, das heißt natürlich: Arbeit. Und wie sie ist, genauer: Wo sie ist. Und festgestellt: Überall. Nicht nur dank Smartphone in der Tram dabei. Sondern Dank Hingabe, leidenschaftlichem Gefangensein. I didn’t choose the thug life / the thug life chose me? 2Pac, ist das eventuell dein Privileg? Wenn ja, wo ist dann meins? Im Yes sagen, der Erkenntnis? Vielleicht auch eine Strategie für den Kapitalismus, das Nein dagegen. Alte Frage übrigens, gestellt von einem anderen thug. Kommt wieder, wie alles wiederkommt.

Nochmal Jacques: »[Ich habe] zu zeigen versucht, daß die Trauerarbeit keine Arbeit unter anderen ist. Sie ist die Arbeit selbst, die Arbeit im allgemeinen, ein Zug, anhand dessen man vielleicht den Begriff der Produktion selbst neu überdenken sollte – in dem, was ihn ans Trauma, an die Trauer, an die idealisierende Iterabilität der Exappropriationen bindet und damit an die gespenstig-spektrale Spiritualisierung, die in jeder techne am Werk ist.« Da habt ihr es. Da arbeitet jemand zu jemandem, der das mit der Arbeit erst in unsere Köpfe gesetzt und weiter durch sie spukt. (Noch so eine Strategie, vielleicht: Fortschritt durch techné. Kunst kömmt ja, wir wissen das…). Und ich arbeite zu dem und will die Produktion überdenken. Und ganz kindisch, manchmal nur, aber verstohlen fragen: Warum. Oder, schlimmer: Wozu.

Die Frage, die andere Frage dieser Fragen ist nur, wie wir das konkret (ha!), also, na, wie ich das konkrit umsetzen… Achso, ja: Mit Arbeit. In und an, durch und durch. Muss ich mir gar nicht erst vornehmen: Letztens noch über Freizeit (and the lack thereof) rumgejammert. Und dann drüber geschrieben, sie (or the lack thereof) arbeiten lassen. So ist das: Das ist widersprüchlich. Ich lebe (und, irgendwie und irgendwie nicht: liebe) diese Widersprüche und konstruiere, konstituiere mich dazwischen. dieser Apparat faltet sich selbst / denn er will. Ich will das so. Und nicht anders haben. Ja sagen, und das erkennen. Wohin es mich auch bringt.

Kein Wort über Goetz. Wäre auch Irre. Und war schon da. Als größtes Nein bisher.

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Gehen, ja. Aber nicht Wiedersehen. Sondern Wiedergehen. Als Gespenst. Seid ihr dabei? Ich könnte zu euch werden oder wir Freunde. Bei konkretem (ha!) Lichteinfall; die Farbcodes liegen offen da. Und dann sehen wir unsere eigene Gespenstigkeit. Wir müssen nur Ja sagen und dann vielleicht Nein. Vergesst bloß nicht, eure Schuhe aufzunehmen. Ganz bestimmt ist das wichtig. Das ist das Ende der Deixis, da hilft euch keiner mehr raus.

(Eben gemerkt, auch wieder gut: Es gibt keine #6. Es hört halt nie auf.)

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4 thoughts on “konkrittles #8 – wir sagen: ja / kein nein gegen die arbeit

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