Musik

Ronin – Fenice

Rezension vom 22.03.2012 im TITEL-Kulturmagazin:

Frickelfreudig

Ennio Moricone, John McLaughlin und Don Caballero treffen sich zur Mega-Jamsession. Oder so ähnlich. Ronins Zweitwerk Fenice ist ein schwer vorstellbarer Mischmasch, der sich schwer mit sich selbst verträgt. Von KRISTOFFER CORNILS

Wenn Bruno Dorella nicht mit seinem schräg dahin noiserockendem Projekt OVO (verstärkt durch Sängerin Stefania Pedretti) laut Songtiteln die deutsche Hauptstadt erkundet, schreibt er gerne Filmmusik. Oder besser: Würde das gerne tun. Denn den richtigen Film hat er scheinbar noch nicht gefunden. Aber sei’s drum, wer braucht schon die cineastische Vorlage. Nach L’Ultimo Re lässt Dorella nun Fenice folgen und auch dieser kommt ohne Folie aus. Dafür hat sich der Italiener noch einiges an Verstärkung besorgt: Nicola Ratti hilft an der Gitarre aus, die Rhythmussektion verstärken Chet Martino am Bass und Paolo Mongardi am Schlagzeug sowie einige vereinzelte Gäste, die ihren Teil zu der bizarren Atmosphäre beitragen.

Wieso bizarr? Weil Fenice einer Monstersession gleicht, die selten haltmacht, zwischen schneidigen Western-Melodien à la Ennio Morricone und wildem Jazz Fusion-Genudel, das etwas an John McLaughlins Signatur erinnert, hin und her hetzt. So ruhig wie noch auf L’ultimo Re geht es auf Fenice eher weniger zu. Da wird aus dem ungewohnten Mischmasch eben ein ziemlich wilder, wenn nicht sogar diffuser, der sich nicht mehr mit sich selbst verträgt. Denn irgendwie meinen es Dorella und seine Mitstreiter doch etwas zu gut und geben sich so frickelfreudig, dass eine wirkliche Stimmung kaum aufkommen mag. Selbst wenn das Instrumentengewitter schunkelbluesigen Atempausen weicht – Fenice ist ein viel zu nervöses, hyperaktives Album. Das erhoffte Kopfkino setzt sich jedenfalls selten ein. Der Titeltrack kann zwar mächtig punkten, und die Gesangseinlage in It was a very good day sorgt für etwas mehr Kohärenz, insgesamt klingt Fenice jedoch viel zu überladen und hektisch.

Quelle: Frickelfreudig

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